Veröffentlicht am

Plattdeutscher Rap – vs. Dialektro

De Fofftig Pens

Die Fofftig Penns und Blowm verbindet eine (vielleicht einseitige) Hassliebe. Die Anfänge der drei Vegesacker beobachtete Blowm aus sicherer Entfernung aus Bremen und konnte sich die Verhohnepiepelung von 5o Cents „P.I.M.P.“ bei MySpace anhören. Fassungslos über die 4-stelligen Plays und das schlechte Rappen der drei Boys versank er vor Scham im Boden. Seit Jahren schon sammelte er hie und da vereinzelte plattdeutsche Reime, Zeilen und Sprichwörter, aber sah sich noch lange nicht reif genug, einen Rap-Versuch in der Sprache seiner Großeltern zu starten. Umso verwerflicher fand er die Versuche und der Fofftig Penns.

Jahre später, genauer 2011, wurde Blowm – durch Golden Error und JunkFoodRadio eine feste Größe in der Bremer HipHop-Szene und unerbittlicher Verteidiger der realen Realness – auf den Plattsounds Bandwettbewerb aufmerksam. Vergaß den Contest aber wieder und nur eine Handyerinnerung ein paar Tage vor Abgabetermin setzte in ihm eine Energie frei, die innerhalb kürzester Zeit zu der ersten Version von „Wat mut dat mut“ führte. Die erste Strophe war plattdeutsch und die zweite hochdeutsch.

http://www.plattsounds.de/blowm-wat-mut-dat-mut/ und https://soundcloud.com/plattsounds/blowm-wat-mut-dat-mut

Zum Glück hatte Blowm gerade Semesterferien und hielt sich im schönen Emden in Ostfriesland bei seinen Eltern auf und hatte wie immer sein Mic dabei. Mit dem alten Technics Tapedeck seines Vaters nahm er die Demoversion für den Wettbewerb auf einen Beat der Dramadigs aus Bremen auf. Nach einem Anruf der Wettleitung schrieb er in Windeseile noch eine zweite Strophe auf plattdeutsch und achtete erneut auf flowende Doppelreime und knackigen Inhalt. Die alte deutsche Strophe würde später unter dem Arbeitstitel „Ostfriesland Hymne“ vorerst auf einem Ed Banger Beat die Publikäen rocken.

Der Wettbewerb entwickelte sich zu einem wichtigen Punkt in der Karriere von Blowm. Mit DJ Stickeltodd im Gepäck ging es im Oktober 2011 nach Oldenburg, um den Song live zu präsentieren. Die Textzeile „Ik hebb fieftig Penns funnen, in mien Schkiethuus“, war ein unmissverständlicher Diss an die Fofftig Penns und als Malde von DFP auf Blowm zukam und ihm sagte, er sei in der Jury, nahm Blowm diese Tatsache als gegeben hin – selten hatte er einen Hehl um seine Einstellung zur Wackness gemacht (siehe das Wackness Manifest https://blowm.wordpress.com/2013/02/18/wackness-manifest/). Ob ohne geplaybackte Hook eine bessere Platzierung drin gewesen wäre oder ohne Malde in der Jury eine schlechtere als der dritte Platz, kann man nicht sagen. Ein Song auf plattdeutsch war nun im Repertoire und für Blowm selbst der größte Erfolg.

Dass dem Erfolg bei Plattsounds so wenig folgen würde, war nicht abzusehen. Dann jedoch die Frage, ob Blowm mit Musikapparillo und den Fofftig Penns bei der ersten plattdeutschen Bandnacht im Knust auftreten wollen. Na klar. Innerhalb kürzester Zeit hatte Blowm, mittlerweile mit Maddin als Mikrofon-Verstärkung, ein halbstündiges Bühnenprogramm zusammen gezimmert. Sodass sie später im Jahr, beim Plattsounds Wettbewerb 2012, die Jurypause bespielen konnten und das Publikum wieder aufweckten.

Die Fofftig Penns und Blowm im Lagerhaus Bremen. „Die beste für uns mögliche Vorgruppe. Vielleicht gehen wir im Sommer auf Tour. Dann wollen wir euch als Vorband haben.“ Vorfreude ist schön, aber Blowm als alter Hase im Geschäft, weiß, was solche Versprechungen bedeuten: erstmal nichts. Und genau so kam es. Die Fofftig Penns gingen auf Festival-Tour – no Vorband needed – und Maddin und Blowm hatten genug Zeit zusammen mit Jiggel an der Kellygreen Duckz EP weiterzuarbeiten. (Abgesehen von Blowms Sushi LP und den Bemühungen sich als Romancier zu erfinden). Straighter Rap auf hochdeutsch.

Leider verhindert, am Videodreh für Löppt am Start zu sein, nehmen die Fofftig Penns beim Buvisoco teil. „Löppt“ wird im Fernsehen performt. DFP erreichen den respektablen 7. Platz für Bremen. Von manchen als peinlich bezeichnet, von anderen als supercool. Rap ist es nicht mehr, was die Pfennige machen. Sie nennen es Dialekto und der Sound ist eher Dubstep und Electro, Trapp anstatt BoomBap und New York Beats wie bei den beiden Ostfriesen. Die Connection zwischen den Fofftig Penns und Blowm ist eingeschlafen.

Was damals mit Fettes Brot und Nordisch by Nature begann hat sich in Richtung Deichkind für Arme und erstklassigem Rap auf plattdeutsch entwickelt. Es fällt HipHoppern immer schwer, Sprechgesang à la Falco oder Thomas Gottschalk zu liken und zu teilen. Aber andererseits sind de Fofftig Penns für Blowm und Maddin nur gut. Sie sind die erste Anlaufstelle für Leute, die moderne Musik auf plattdeutsch hören möchten. Und wenn es für ein Teil der Hörer mehr ist, als nur ein Joke oder Klamauk, dann bleiben sie vielleicht bei Blowm & Maddin hängen.

In diesem Sinne, 

one love an die Fofftig Penis. Und wer es nicht besser macht, hat eigentlich nur die Klappe zu halten. Vielleicht wäre ein plattdeutscher Beef genau das Richtige?

Mehr auf: https://blowm.wordpress.com/2013/10/ und https://blowm.wordpress.com/2012/10/12/der-plattdeutsche-jay-z-blowm/

BLOWM 292674_10200647230855126_2120805549_n

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s