Veröffentlicht am

Tödliche Metaphern. Oder: Ende der Fahnenstange, Quacksalber! Fortsetzung 2/2

Moin Leute,
heute die Fortsetzung von „Tödliche Metaphern. Oder: Ende der Fahnenstange, Quacksalber!„. Der erste Teil von letzter Woche ist leicht überarbeitet unter obigem Link zu erreichen.

…Fortsetzung
In meiner Not erfand ich sogar ein neues Wort für diese Art Tortur: Es war die Mischung aus ’schrecklich‘ und ‚grausam‘, zu ’schrausam‘. Ja, seine Vorlesungen waren schrausam und ich musste hingehen. Es ging ja kein Weg daran vorbei. Wenn ich jemals meinen Abschluss schaffen wollte, dann nur, wenn ich die drei dieser grausam-schrecklichen Pflichtkurse überstand. Und der erste Kurs im Sommersemester war gerade erst vorbei. Wie sollte ich den nächsten Kurs im depressiven Wintersemester durchstehen? Noch dazu war ich nicht in der Lage diese schrausamen Hausaufgaben zu bearbeiten. Es ging einfach nicht. Ich hatte es mehrere Nachmittage versucht; mir literweise teuren Caféteria-Kaffee rein gefahren, einen Großteil meines Taschengeldes für Ginkgo-Produkte ausgegeben und alle verfügbaren Nussmischungen ausprobiert, es war einfach nicht zu bewerkstelligen. Ich mochte mein Fach, aber dieser Professor, der leider einer der wenigen Prüfungsberechtigten war, noch dazu Dekan des Fachbereichs und Ansprechpartner bei universitären Problemen, ging mal so gar nicht klar.

Natürlich wäre ich an jenem Tag viel lieber in der Stadt unterwegs oder mal wieder im Park, gleich vor meiner Tür, gewesen. Nur ein Eis kaufen und durch meine Gegend bummeln. Vielleicht ein paar Leute treffen, die genau dasselbe vor haben wie ich, nämlich gar nichts. Vielleicht niemanden treffen und nur die angenehme Eintönigkeit des Nachmittags genießen, einen auf „Rentner“ machen. Den Mädels hinterher schauen oder bei Bedarf die alten Leuten mit meiner jugendlichen Frische beeindrucken. Eventuell ins Stadionbad fahren. Da war ich schließlich auch noch nie. Und die sollen umgebaut haben. Oder gleich an den See. Ist vermutlich ein bisschen kälter, aber dafür umsonst und nicht so „mainstream“. Außerdem kein Chlor und nervige Halbstarke, liegen gelassene Süßigkeiten und übervolle Mülleimer an denen sich die Wespen tummeln. Das wären alles super Alternativen zur Vorlesung gewesen.

Aber das saß an jenem Tag alles nicht drin. Ich hatte etwas anderes vor. Ich würde meinen Professor umbringen! Ja, genau. Meinen Professor umbringen. Was ist daran so besonders? Manche Männer zerhacken ihre Ehefrauen und verbrennen sie mitten auf der Straße. Wieder andere ballern mit unregistrierten Waffen auf dem Kiez herum, nur weil das Drogengeschäft nicht mehr so wie früher läuft, wo ich nur sage: „Hey, die Welt ist im Wandel, stellt euch auf neue Bedingungen und Umstände ein. Die Globalisierung macht auch vor der Unterwelt nicht Halt. Wahrscheinlich ist sie dort ohnehin schon viel weiter, als in der EU mit ihrer Gurkenpolitik. Mal gerade und mal krumm. Das kann ja nur schief gehen.“ Aber auf mich hörte ja keiner. Auf mich hatte sowieso noch nie jemand gehört, seit ich denken konnte nicht.

Als ich vor einigen Jahren sagte, per Satellit könne man uns hier unten auf der Erde genau sehen und beobachten, glaubte mir keiner. Man hielt mich für paranoid. Als ich sagte, ich verstünde nicht, wie das Finanz- und Aktiensystem funktioniere und dass es absoluter Käse sei, mit Geld zu spekulieren, das es gar nicht gibt, wurde ich belächelt und an meine schlechte Note in Mathematik erinnert. Und jetzt wo ich sage, dass die Metaphern meines Profs alles andere als angemessen und geistreich sind, hört mir auch wieder keiner zu. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Ich wollte da nicht mehr mit machen. Und beschloss, dass mein Nichtgehörtwerden, ein Ende finden sollte!

Strick aus dem Baumarkt? Check. Billige Lederimitat-Handschuhe aus einem Discounter der Nachbarstadt? Check. Tranquilizer aus der Apotheke? Check. Vorlesungsende um 14 Uhr 45 im Kopf? Check. Die Gewissheit nicht erwischt zu werden hatte ich auch, also konnte es los gehen. Es war fast halb 3, eine gute Viertelstunde brauchte ich mit dem Fahrrad zur Uni. Er würde wie immer noch einen kleinen Abstecher ins Büro machen und dann, wie jeden Mittwoch mit dem Fahrstuhl aus dem dritten Stock direkt in die Tiefgarage fahren, um zu seinem Auto zu gehen. Ich hatte das alles ganz genau abgecheckt. Um die Zeit lag dort unten der Hund begraben. Verdammt! Diese mistigen Metaphern! Ich war vollkommen infiziert und nahm gegen die Aufregung erst einmal eine Tranquilizer.

Wie zufällig würde ich dort unten sein. Mein Fahrrad abstellen. In Ruhe abschließen, den Schlüssel in die rechte Hosentasche stecken und mir eine Zigarette anzünden. Da unser guter Professor sich ja sowieso zu gut für seine Mitmenschen ist, und sich erst recht nie die Mühe machte, einen seiner Studenten zu erkennen, wird er aus der Tür kommen ohne mich zu sehen. Ich werde ihm ganz unauffällig folgen, mir dabei die Handschuhe anziehen. Die linke in die Tasche meiner Hose stecken und wie selbstverständlich das Seil herausholen. Sobald er bei seinem Auto angekommen ist, werde ich ihm von hinten einen Schlag mit dem Ellbogen zwischen die Schulterblätter geben, sodass er zusammensackt und der Widerstand nicht mehr so groß ist. Dann nehme ich den Strick, den ich schon um meine Fäuste gewickelt habe, lege ihn in einer Schleife um seinen Hals und werde vor dem Zuziehen so etwas Bescheuertes sagen wie: „Ende der Fahnenstange, Quacksalber!“

In diesem Sinne,
bis nächste Woche
blowm tag xxx

BLOWMsBLOG – Jeden Montag neu

BLOWM Block-Cover °2

2 Antworten zu “Tödliche Metaphern. Oder: Ende der Fahnenstange, Quacksalber! Fortsetzung 2/2

  1. Jiggel

    Du sollst die Woche nicht vor dem Montag loben! Fett, ‚unge!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s