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Schimmel und Doppelreime

Schimmel

Ich könnt original im Kreis kotzen. Da dachte ich ganz optimistisch, dass sich kein weiterer Schimmel in meinem Zimmer im Fruchtsaftweg gebildet hat und was seh ich am nächsten Morgen, als ich mich an meinen kleinen Tisch zum Frühstück quetschen will? Schimmel. Die ganze Leiste neben meinem Bett entlang, fast biszum Kopfende. So ein dummer Scheiß.

Nebenbei erwähnt, funktioniert das Internet mal wieder nicht. Ich wollte, nachdem ich endlich mal wieder ausgepennt habe, auch gar nicht online gehen, aber nach dem Schimmelschock konnte ich nicht anders und log mir in die Tasche, ich würde nach Wohnungen oder freien Zimmern gucken. Nun sitz ich hier und schreibe, weil ein rotes Kreuz zwischen diesen zwei Monitoren in der unteren rechten Ecke meines Bildschirms hängt und meint sagen zu müssen: Nein. Internet nicht.

Da ich eh gleich einkaufen muss, worauf ich aber angesichts des nun wieder gestiegenen Unwohlfaktors in meiner Wohnung keinen Bock habe, könnte ich drauf scheißen, meine Seiten abzurufen, aber mäh! Es nervt!

Noch dazu ist alles vollgeschneit, genau wie bei meinen Eltern. Dabei war es gestern als ich ankam doch schneefrei! Fuck Mann. Vielleicht ist der Schimmel ja allein letzte Nacht entstanden? Fuck Mann, ich muss schon wieder umziehen. Am besten früher als später.

(…) Der Neustart hat nichts gebracht. Das Internet ist immer noch down. Das Gute ist, dass ich immer wenn das Internet nicht da ist, anderen, vermutlich ergibigeren Dingen nachgehe. Das Internet bremst die Einfälle. Einer ist, sobald ich das Steputat Reimlexikon in die Hand nehme, ein Doppelreimlexikon zu erstellen. Sofort schießen mir Verlagsanschreiben und erste Arbeitsansätze in den Kopf, denen ich aber allen nicht nachgehen kann, weil ich eben nur ein gottverdammtes Leben habe!

Das Doppelreimlexikon wäre dann schön sortiert, erst würde die Frage geklärt, wie mit unreinen und reinen Doppelreimen, in der Fachterminologie imperfekten und perfekten Reimen umgegangen würde, um dann das vermeintliche Erstauftauchen auf erschienenen Aufnahmen zu diskutieren. Die Reime würden mit ihrem vermeintlichen „Urheber“ notiert werden, sodass viele Möglichkeiten zu überarbeiteten Neuauflagen bestünden. Das Nachschlagewerk wäre in zweisilbige, drei-, vier- und sehrvielmehrsilbige Reime unterteilt. Nebenstehend könnte man eine theoretische Diskussion entfachen, die ein Bewusstsein für diese ‚gehobenen‘ poetischen Techniken schafft.

Aber dazu wird es wohl nie kommen. Ein Punkt, der mich resignieren und in Depression verschwinden lässt.

Kapitel 1 – Perfekte Doppelreime

Perfekt heißt im Zusammenhang mit Reimen nicht, dass die perfekten Reime besser sind als die imperfekten. Dieses Kriterium ist ein linguistisches. Ein Beispiel macht diese Unterscheidung vielleicht ohne weitere Erklärungen deutlich.
Perfekter Doppelreim: Traumrolle – Baumwolle
Imperfekter Doppelreim: Kleiderschrank – Heimatland

Die Wörter des ersten und zweiten Reimpaars sind dreisilbig, da sie aus zwei eigenständigen Wörtern (Traum – Baum und Rolle – Wolle) bestehen, nennen wir sie Doppelreime. In der Definition in der wir den Begriff Doppelreime verwenden, meint dieser Begriff nicht, dass es sich um zwei Silben handelt, die sich reimen, sondern um jeweils zwei Wörter in einem zusammen gesetzten Substantiv. Das bedeutet Bali – Mali ist zwar ein zweisilbiger Reim, aber kein Doppelreim in unserer Definition. Es wäre ein Zweisilber mit identischem Konsonanten zwischen den gleichen Vokalen.

Zurück zum perfekten und imperfekten Doppelreim. Der perfekte Doppelreim zeichnet sich dadurch aus, dass die Elemente beider Wörter in dem was als Dichtung bekannt ist, als „klassische“ Reime durchgingen. Gegen Traum und Baum hätte kein Germanist etwas zu sagen und gegen Rolle und Wolle könnte auch kein Literaturwissenschaftler wettern, von Poesie-Workshop-Dozenten einmal abgesehen.
Hingegen würden Kleider und Heimat ebenso wie Schrank und Land in einem Hobbygedicht als schlecht und in anerkannter Lyrik als Assimilationen durchgehen (wovon es letztendlich doch mehr gibt, als vielfach angenommen), jedoch in der Kombination nach Art von Kleiderschrank und Heimatland bisher fast nur in Rapmusik Verwendung findet.

Woran liegt das, mag eine berechtigte Frage sein. Ohne jetzt den Zustand der zeitgenössischen Dichtkunst zu diskutieren, behaupte ich kurz und knapp, dass die wahren Entwicklungen im Bereich der Reime und Metrik mittlerweile nur noch im Rap stattfinden. Sogar thematisch ist Rap, schaut man weg vom großen Geschehen und befreit sich von Klischees, innovativer und moderner als die gesamte Nachkriegsdichtung. Das ist meine Behauptung.

Der imperfekte Doppelreim zeichnet sich im Gegensatz zum perfekten darin aus, dass seine einzelnen Elemente nicht als „klassische“ Reime im althergebrachten Sinn durchgehen, sondern als unreine und geschmähte Möglichkeiten, zwei Zeilen zusammen zu binden, besteht. Dass der imperfekte Reim, sogar hin und wieder der imperfekte Doppelreim, auch bei alten Dichtern Verwendung fand, möchte der Autor anmerken und wird eventuell später einige Beispiele anführen.

Verdammt,
jetzt ist es 10:46 und das Internet funktioniert noch immer nicht. So ein Mist.

Und wie immer, alles nur gelogen.
In diesem Sinne,
Dein Bliggedi

blowm tag xxXX

6 Antworten zu “Schimmel und Doppelreime

  1. Frankakrank ⋅

    Top Blog😀

  2. Machma hier, dängs, hier, Schüttelreime!

  3. Der beste Blog von Dir, den ich bisher gelesen habe! Und so sehr ich die kompakte Form der Darbietung normalerweise schätze; Heute hätte ich unglaublich gerne noch mehr gelesen! Peace, Bruder!

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