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Der Witz hat einen Bart, den ich inzwischen ahn.

Gas weht ab! Zum Glück möchte man meinen. Eine völlig bebilderte Episode aus der Reihe „a day in the life of…“ Tritt ein in die Welt zwischen Hip und Hop. Heute: Bad Zwischenahn.

Ich war vor kurzem in Bad Zwischenahn, weil mein Kollege Dulli Bastard (eine große Nummer im Stornogeschäft) gehört hat, dass es sich um die absolute Rap-Hauptstadt handelt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Bad Zwischenahn ist der Oberhit und oberhot. Schon Michael Jackson wusste das, nahm er doch 1987 ein Album mit dem Titel „Bad Zwischenahn“ auf. Nur weil Epic diesen Titel zu lang fand, musste er ihn auf „Bad“ kürzen. Ebenso LL Cool J, der das Spiel im selben Jahr mit dem Song „I’m Bad“ noch weiter trieb und sogar behauptete, er wäre der Kurort!

Enuff with the Pimmelshit. In Bad Zwischenahn angekommen, bemerkte ich sehr schnell, dass dies der richtige Ort wäre um meine Skills zu increasen. Monetär stand ich gut da. Auch wenn mir die Münzen unbekannt waren, schienen sie Gültigkeit zu besitzen.
Seltsame, aber gültige Münzen im Umlauf

Ich hätte sie behalten, aber in der Not bezahlt der Teufel mit diesen

Und schon der erste Laden war genau das, wonach ich gesucht hatte. In letzter Zeit hatte ich latente Probleme mit meinem Flow. Gerüchte, ich würde den Beat nicht mehr treffen kamen auf und das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Hatte ich doch vom 7-Silber über die 4-Wort Strategie bishin zu den freien Versen alles ausprobiert. Doch ein gutes Bier kann man öfter trinken, auch wenn man weiß wie es schmeckt, also ging ich in das Geschäft und sah mich ausgiebig um. Sie hatten alle bekannten Flow-Modelle im Angebot. Ich erstand einige Oldschool Flows, die ich mit neuem Vokabular anreichern könnte, sodass wieder etwas Neues entstünde. Außerdem machen sich Oldschool Flows immer gut. Gerade auf Freestyleparties überzeugen sie immer recht schnell, da ihnen recht einfach zu folgen ist. Ich hätte zwar gerne ein paar Doubletimer mitgenommen, aber meine Tasche war zu klein und ich wollte ja noch weiter shoppen. Es gibt wichtigeres als Doubletimeflow.

Das erste Geschäft das ich aufsuchte.

Als ich wieder herauskam, wusste ich, dass mir noch ein paar saubere und vor allem heiße Reime für meine neu erstandenen Flows fehlten, also ging ich zu Zoller. Die Werbung sprach mich sofort an, sodass ich interessiert war, aber nicht zuviel erwartete. Einen Blick auf ihr Angebot wollte ich unbedingt werfen. Bei Reimen bin ich nämlich sehr wählerisch. Nach einem kurzen Service-Gespräch mit Frau Zoller ließ ich einen Rohentwurf meines neuen Songs „daily job“ da, um zu sehen, wie das Ergebnis in zwei Wochen aussähe. „Die ungeraden Zeilen ein wenig glatt bügeln und die Silbenfalten glätten“, sagte ich zu Frau Zoller. Wie das Ergebnis aussieht, werde ich dir in einigen Wochen sicher berichten können. Wenn schon keine guten Reime mehr auf Lager waren, wollte ich wenigstens das sonstige Angebot nicht ungetestet lassen.

Gute Reime finden ist schwer. Zoller hatte leider keine mehr.

Wenn du meine Facebook-Alphabete aus den Sommermonaten August und September noch kennst, weißt du, dass es immer einige Probleme mit C, X und Y gab. Selbst I machte hin und wieder Probleme. Leider fand ich nur ein Spezialgeschäft für W. Aber ich deckte mich mit einem guten Vorrat ein, denn das W (oder in Blowmistan auch das gekippte E genannt) ist ein Letter, zu dem ich eine ganz eigene Beziehung pflege. Es war also mehr ein Lustkauf, als dass ich es wirklich nötig gehabt hätte, aber so ist das nunmal.

Das W konnte ich nicht liegen lassen.

Aufgrund meiner vielfältigen Stilstudien in Bezug auf deutschsprachige Rap-Texte der 1990er Jahre war ich richtig froh, als ich den nächsten Laden entdeckte. Ich dachte mir, „jetzt hat sich dieser Ausflug wirklich gelohnt.“ In Stilfragen bin ich teilweise etwas konfus, wenn Leute an mich herantragen, ich würde so oder auch so klingen. Am verblüfftesten bin ich immer, wenn sie mich mit MC Rene Vergleichen kommen. Naja, man kann nicht immer dope sein, manchmal muss man auch fresh sein. Oder einfach nur hyper.

My Style. Immer eine Introspektion wert.

Jedenfalls staunte ich nicht schlecht, als ich das Etablissement betrat, obwohl mir auch hier relativ viel der ausgestellten Ware bekannt vorkam. Wie gesagt ‚relativ‘. Ich stöberte eine ganze Weile, es waren mir aber gesamtgesehen zuviele aktuelle Spielereien, vor allem Auto-Tuning war mir zu mainstream. Ich bin ja eher auf die Verbindung von literarischen und klassisch-modernen Styles aus, die ohne externtechnische Sperenzchen auskommen. Egal, den Katalog nahm ich mit und ließ mich für eine Lieferung von Jay-Z Metaphertransliterarisierungen vormerken. Definitiv eine Empfehlung der Laden, aber ich krieg den Kritiker nicht aus mir heraus, man möge das bitte entschuldigen.

Bei Styles hört der Spaß nicht auf.

Wenn der Style speziell ist, die Flows fundiert und die Zeilen heiß geglättet, braucht man natürlich noch das richtige Rüstzeug, um den Sound auch entsprechend klingen zu lassen. Also zwei Geschäfte weiter nicht lange geguckt und ordentlich zugelangt. Definitiv ein gutes Preis- Leistungsverhältnis und eine positive Seite der NewYorkisierung der Welt.

In den D&D Studios nahmen namhafte NewYorker Rapmusik auf.

Nach dieser harten Shoppingtour brauchte ich erst einmal eine Pause. Zum Glück hatte ich meine Angel eingepackt und wollte sie am Zwischenahner Meer auswerfen. Angeln beruhigt und ist ein entspannter Sport im Gegensatz zu Schach, dessen kleinkarierte Regeln ich eh nicht beherrsche. Leider war der Zugang zum Wasser so technisiert, dass ich den Steg nicht betreten durfte. Heutzutage funktioniert nichts mehr ohne Strom, auch wenn man das vielen Dingen wie einem Holzsteg auf den ersten Blick gar nicht ansieht. Meine Landstreichergensequenz schickte ein abgeklärtes Kopfschütteln in mein linkes Augenlid, sodass es kurz flattern wollte, sich meine Gesamtverfassung aber freilachte.

Vorsicht. Starkstrom wohin das Auge blickt.

Aber Bad Zwischenahn ist leider auch nur Deutschland, was man an den vielen Schildern sieht, die aufgestellt werden müssen, damit alles seine Richtigkeit hat. Leider durfte ich mich nicht auf dem Spielplatz amüsieren, da ich unentwegt aus meinem Strichgesicht lächelte und zudem einen Fahrradhelm trug. Dumm das. Gut fand ich aber, dass die Einbeinigen davor gewarnt werden, nicht über die herumliegenden Köpfe zu fallen (Abbildung in der Mitte des Bildes unten). Als ich weiter ging, erinnerte ich mich aus irgendeinem Grund an meine Phase in der ich Seminare zu Semiotik besuchte. „Ecco der Delphin sprang aus dem Wasser um am Strand um Berto einen Kreis zu ziehn.“ Äh, … ja. Wers kapiert bitte melden, wir könnten Wahnsinnige heilen.

Warum grinsende Fahrradhelmträger verboten sind verstehe ich nicht. Dass es Einbeinigen untersagt ist über herumliegende Kugeln zu stolpern, finde ich gut.

Um mit meinen ganzen Einkäufen etwas besser voranzukommen, wollte ich mir ein Fahrrad leihen. Allerdings hatten sie nur Räder ohne Haftung. Da der Bodenbelag tendenziell eher rutschig oder steinig war, ging ich das Risiko nicht ein und beschritt meinen Weg weiterhin zu Fuß.

Ohne Haftung ist eine glitschige Angelegenheit.

Naja, mittlerweile neigte sich der erleuchtete Teil des Tages eh dem Ende zu und weite Strecken hatte ich nicht mehr zurückzulegen. Nachdem ich einen kleinen Snack eingenommen hatte, war die Lust zum Shoppen auch wieder da und ich legte nochmal ein paar Scheine für neue Street Credibility auf den Tresen. Zuviel darf man dafür zwar nicht ausgeben, weil der Nutzen fürs tatsächliche Rappen weder wissenschaftlich nachgewiesen noch wahrscheinlich ist, aber ich wollte es zumindest ausprobieren. Beim Rausgehen fiel mein Blick auf das Regal mit der Street Knwoledge. Ohne Probleme konnte ich die vermutlich eh unnütze Street Credibility gegen Street Knowledge eintauschen. Glück gehabt. Den Bon davon behielt ich selbtverständlich.

Street Credibility und Knowledge zuhauf.

Am Ende meines Shoppingtages fand ich ein Geschäft, das es vorher nicht gegeben zu haben schien. Bad Zwischenahn wartete mit seinem Schmuckstück bis zum Schluss, als würde es mich für meine Hartnäckigkeit belohnen. Beinahe volständig mental entkräftet, schleppte ich meine sterbliche Hülle, die mir immer unwichtiger wird und nur noch bis zu meinem Tod irgendwie durchhalten soll, über die Türschwelle und fand das Komplettangebot. Ich tauschte sämtliche erstandene Güter beim Cassirer ein, der noch irgendwas von symbolischen Formen quatschte. Ich hörte nur halb hin, wollte ich doch mit meinem neuen Lieblingsstück auf den Ohren den Heimweg antreten. Megageil.

Favorite Tracks von dir selbst gibts bei ‚Mein Lieblingsstück‘.

Als ich dann am Bahnhof ankam, fragte ich mich, in welchem Slang „rutschen“ ein Synonym für „B-Boying“ war, fackelte aber nicht lange und breakte erst einmal fed up. Ahnte dann allerdings schnell, dass ich die Zeichen nicht richtig gedeutet hatte, was nach einem langen Tag wie diesem ja vorkommen kann. Meine besten Moves ließ ich trotzdem sehen.

Breaken oder was?

Das Schild meinte jedoch etwas völlig anderes, wie mir nach und nach dämmerte. Nach dem dritten Headspin fiel das Bild dann wie Schuppen oder Lauben zusammen und mir das richtige wie Schuppen auf die Augen. Es bedeutete, dass man bei starken Flatulenzen aufpassen sollte, nicht von selbigen von den Beinen geholt zu werden. Von wegen ‚Ohne Haftung‘, you know. Daher gab es kleine Wägelchen, auf die man bei Bedarf seine Koffer abstellen kann, um gegen enorme Darmwinde der Grünkohlsaison gewappnet zu sein.

Vorsicht vor den heimtückischen Koffern, die daher gerollt kommen.

Endlich wieder mit der DB (DiaboBlowm) in Bremen angekommen, konnte ich den Tag beruhigt Revue passieren. Hatte ich doch Geschäfte entdeckt, von denen die meisten Rapper nicht einmal träumen könnten, da ihre Gehirne vom THC in Anspruch genommen, nicht mehr über ein aktives Unterbewusstsein verfügten und somit jede Nacht mit völliger Dunkelheit gleichzusetzen war. Ich stellte mein Oberbewusstsein für den Abend mit einer Ladung TV ruhig, entkoppelte aber das Unterbewusstsein und sah zufrieden fern.

Bliggedi sieht fern.

Am nächsten Morgen öffnete ich dem Paketboten die Tür mit nur zwei Handtüchern bekleidet (und dem Satz „Das ist für sie jetzt vermutlich peinlicher als für mich, aber da kann ich jetzt nichts dran ändern.“ Er antwortete, „Sie glauben gar nicht wie oft das vorkommt“ und wir beide waren cool.), um meine lang erwartete Sendung Nasenbrillen entgegen zu nehmen. Ein Tag könnte nicht besser beginnen, als mit einem Satz frischer Nasenbrillen. Und wie der vorige geendet hatte. Traum.

Der Marxismus lebt.

Einen Tag würde ich noch Zeit haben, bevor die Rechnung aufgehen würde und die Welt zu Staub zerfiele. Also machte ich in vorbildlicher Jesuserwartungsmanier das Beste aus den verbleibenden Stunden und erwartete das dümmste Gesicht, … äh, das fünfte Gedicht, … äh, … das jüngste, … du weißt schon, … Gericht. Pizza und so. Ein neuer Tag sollte beginnen.

Peace, Bliggedi

Ps: Ja, ich habe blaue Vorhänge und ein Ikearegal.

3 Antworten zu “Der Witz hat einen Bart, den ich inzwischen ahn.

  1. Dopeness! Es gibt wichtigeres als Doubletimeflow! Word! Was los mit Dir? DICH habe ich schon zu lange nicht gesehen! Morgen is geheime session in Illytown! Ceeyah!

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